Auch "fremde Fötzel" fühlen sich wohl (Neue Luzerner Zeitung vom 22. Juli 1998)

22.07.1998

Von Roland Hügi

Die Steuern sind zwar hoch, die Lage über dem Entlebucher Tal dafür prächtig. Doppleschwanderinnen und Doppleschwander fühlen sich denn auch wohl in ihrer Gemeinde. Negative Stimmen sind beim Gang durch das Dorf keine zu vernehmen, und auch Zugezogene loben die gute Atmosphäre.

Hoch thront die zwischen 1860 und 1864 erbaute neugotische Doppleschwander Pfarrkirche St. Nikolaus über der Hauptstrasse. In drei Richtungen führt die Strassenkreuzung zwischen Kirchentreppe, altem Sigristenhaus und Post: Wolhusen, Romoos, Entlebuch. Verkehr herrscht fast keiner, es ist ruhig im Dorf, das auf dem 750 Metern über Meer liegt und umgeben ist von bewaldeten Hügeln und grünen Matten. Nur wenig alte Gebäude sind auszumachen, das Dorfbild wird dominiert von zahlreichen Neubauten. Viele gebürtige junge Doppleschwanderinnen und Doppleschwander sind in den letzten Jahren wieder in ihre Geburtsgemeinde zurückgekehrt, um hier Wohnsitz zu nehmen.

Fast so still wie auf der Strasse ist es inder "Linde", dem Dorfrestaurant, das 1972 neu gebaut wurde. Am Stammtisch philosophieren drei Männer über ihre Trinkfestigkeit und die Schweizer Biersorten - das helle Lager aus Luzern, das in der "Linde" ausgeschenkt wird, mögen sie am liebsten.

"Ein fremder Fötzel" sei er zwar, weiss einer der drei zu berichten. Den Namen wolle er nicht nennen, aber doch so viel: Er komme aus dem Kanton Schwyz und sei 65. Vor rund fünf Jahren sei er nach Doppleschwand gezogen. "Und ich fühle mich wohl." Obwohl er nicht hier oben aufgewachsen sei, habe man ihn gut aufgenommen im Dorf. "Jeder kennt jeden, und Doppleschwand ist schön gelegen. Was will man mehr?"

Lobende Worte für das Leben in Doppleschwand findet auch Martha Aregger, wo sie sich wohl fühlt, seitdem sie vor 25 Jahren hierher gezogen ist. Die Wohnlage sei super, und Negatives zu ihrer Wohngemeinde komme ihr wirklich nichts in den Sinn.

Zufriedenheit strahlt im Sitzungszimmer der Gemeindekanzlei auch Gemeindepräsident Josef Duss aus, was seine Gemeinde anbelangt. Zwar ist diese finanziell alles andere als auf Rosen gebettet und verfügt über den im Kanton Luzern höchstmöglichen Steuerfuss, Aber man müsse eben lernen, sich einzuteilen. Immerhin ist Doppleschwand diejenige Entlebucher Gemeinde, welche die geringste Verschuldung pro Kopf aufweist.

Was die künftige Entwicklung von Doppleschwand anbelangt, zeigt er sich zurückhaltend. Wohl sind in den letzten Jahren zahlreiche neue Einfamilienhäuser entstanden, und weitere Bauplätze stehen noch zur Verfügung. Mit einem grossen Einwohnerschub und plötzlich fliessenden Steuergeldern rechnet Josef Duss allerdings nicht. Zurzeit werden in der kleinsten Entlebucher Gemeinde 670 Einwohnerinnen und Einwohner gezählt, " und im besten Fall werden es in Zukunft gegen 800 sein - grundsätzlich setzen wir auf eine gedeihliche Entwicklung unseres Dorfes."

Da die Ansiedlung von Gewerbe schwierig ist, müssen auch Zukunft die meisten Doppleschwanderinnen und Doppleschwander auswärts ihrer Arbeit nachgehen. Und nach Feierabend die Ruhe in ihrer Wohngemeinde geniessen.



 



18.05.2012
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